FFP NEW MEDIA | SWR | ARD Degeto | WDR | NDR – Elisa Schlott, Reomy D. Mpeho, Franziska Brandmeier u.a. in:

Ein Hauch von Amerika

Wie aus der Westpfalz Klein-Amerika wird: Die historische Dramaserie „Ein Hauch von Amerika“ handelt vom Aufeinanderprallen zweier Welten, als hunderttausende US-Soldaten Anfang der 1950er Jahre in der pfälzischen Provinz stationiert sind. Die Amerikaner ebnen den Weg zu individueller Freiheit, Freizügigkeit und Kapitalismus im Nachkriegs-Deutschland. Innerhalb dieser Chronik einer Zeitenwende erzählt „Ein Hauch von Amerika“ die Geschichte einer Frauenfreundschaft und die Liebesgeschichte zwischen einer Bauerntochter und einem schwarzen Soldaten. Es sind Schicksale, die auf dramatische Weise durch die deutsch-amerikanischen Beziehungen und die moralischen Normen der 50er-Jahre geprägt werden. „Ein Hauch von Amerika“ ist facettenreiches Sittengemälde und konfliktgeladenes Melodram, das hochaktuelle Themen wie Emanzipation und Rassismus in einen großen historischen Kontext und eine spannende Geschichte bettet:

Folge 1: „Willkommen in Kaltenstein“

Nach der Explosion einer alten Fliegerbombe auf dem Kartoffelacker der Familie Kastner zerstört ein amerikanischer Panzer deren Ernte. Der Fahrer des Panzers, ein Soldat namens George, will den Schaden wiedergutmachen und ist sofort fasziniert von der Bauerntochter Marie. Während sie reserviert bleibt und den schwarzen GI wegschickt, ist ihre beste Freundin Erika, Tochter des Bürgermeisters Strumm, begeistert von dem Lebensgefühl, das die Amerikaner in das verschlafene, konservative Kaltenstein bringen. Ebenso euphorisch sind George und seine schwarzen Kameraden, die in Deutschland zum ersten Mal einen Hauch von Freiheit erleben, wenn sie in der Kaltensteiner ‚Postschänke‘ grenzenlos Bier bestellen und mit weißen ‚Fräulein‘ ausgehen können. Allgemein herrscht Aufbruchstimmung in Kaltenstein: Während Erikas Vater mit den neuen ‚Besatzern‘ fleißig Geschäfte macht, legt sich zuerst Marie und dann ihr Vater mit den Amerikanern an. Als der alte Kastner nach einem Wutausbruch verhaftet und dann auch noch sein Land für den Bau eines US-Militärkrankenhauses annektiert wird, nimmt Marie einen Job auf der Army-Base im Haushalt des leitenden Colonel Jim McCoy an, um den Hof und die Existenz ihrer Familie zu retten. Und auch privat wagt Marie den Schritt in eine neue Welt: Ihr erster Kinobesuch mit Erika öffnet ihren Horizont, wobei sie immer noch an ihren Verlobten – und Erikas Bruder – Siegfried denkt, der seit Jahren in russischer Kriegsgefangenschaft verschollen ist. Indes vergnügt sich Erika mit den Amerikanern, besonders auf Sergeant Bill, der rechten Hand von Colonel McCoy, hat sie ein Auge geworfen…

Folge 2: „Frei sein“

Maries Arbeit auf der Base ist bald mehr als nur ein Job. Amy McCoy, die anfangs eher ablehnend wirkende Gattin des Colonels, erkennt das Potenzial der Bauerntochter und führt Marie in die Welt der Kunst und Literatur ein. Währenddessen unternimmt George weitere Versuche, um Marie näherzukommen, bringt den Kastners Geschenke und mietet ein Zimmer bei ihnen an – gegen Maries Willen, aber auf Initiative ihres kleinen Bruders Vinzenz. Der wittert ein gutes Geschäft, auch mit den Zigaretten, die George ihm bringt. Derweil geht Erika – zum Missfallen ihrer Familie – in der amerikanischen Tanzkultur auf. Sie überredet Marie, sie zur großen Eröffnungsfeier der ‚Hawaii-Bar‘ zu begleiten, welche die alte ‚Postschänke‘ ablösen soll. Die alteingesessenen Stammgäste sind entrüstet – allen voran der Pfarrer. Er wettert gegen die Lebensart der Amerikaner, die er als Bedrohung der guten Sitten in Kaltenstein ansieht, womit er besonders Erikas Mutter, die Bürgermeister-Gattin Anneliese Strumm, beeinflussen kann. Dass der neue Bar-Besitzer mit dem Rufnamen ‚Schwiete‘ ein Nachkomme eines aus der Stadt vertriebenen Juden ist, weiß zu dem Zeitpunkt noch niemand. Auch nicht Marie und Erika, die ihre neu gewonnene Freiheit genießen: Marie, indem sie sich von George zum Tanz auffordern lässt, ihm etwas Deutsch und Radfahren beibringt und schließlich bei einem Kuss am See ihren Gefühlen freien Lauf lässt. Und Erika, indem sie sich von Schwiete für einen freizügigen Tanzauftritt in der Hawaii-Bar engagieren lässt: Die ‚American Boys‘ tragen sie auf Händen. Doch beiden Frauen drohen unmittelbare Konsequenzen: Marie wird von der Militärpolizei eingeschüchtert, sich nicht mit einem Schwarzen einzulassen. Und Erika wird nach einer erschütternden Moralpredigt ihrer Eltern am nächsten Morgen von zwei Nonnen abgeholt.

Folge 3: „Schulter an Schulter“

Siegfried Strumm, Erikas Bruder und Maries Verlobter, kehrt völlig unerwartet aus der russischen Kriegsgefangenschaft zurück. Und obwohl er sich durch seine Erlebnisse verändert hat, muss Marie George sagen, dass sie ihr Versprechen und Siegfried die Treue halten wird. Während die Strumms heilfroh sind, ihren verlorenen Sohn wieder zu haben, leidet Erika unter der harten Arbeit im Paulinenstift, einer Erziehungsanstalt für ‚gefallene Mädchen‘. Hier lernt sie die Prostituierte Martha kennen, die Erika in ihrem Freiheitsdrang bestärkt und dabei hilft, einen Brief mit Hilferuf aus dem Kloster zu schmuggeln. Marie und Siegfried können die Strumms überzeugen, Erika aus dem Paulinenstift zu holen. Das Dreiergespann Marie, Erika und Siegfried ist nun wieder vereint – doch nichts ist wie früher: Die Amerikaner gehen ein und aus bei den Kastners wie bei den Strumms, Siegfried erahnt Maries Gefühle für George, und Erika flirtet – mehr denn je – mit Bill, mit dem sie sich eine glorreiche Zukunft in den USA erhofft. Es kommt zu einer Schlägerei vor der Hawaii-Bar zwischen Siegfried und Bill, wonach Siegfried seine Schwester und seine Verlobte in die Schranken weist. Marie träumt heimlich weiter von den ‚Blauen Pferden‘, die Amy ihr gezeigt hat, liest russische Literatur und geht ihrer Vorliebe fürs Zeichnen nach, während sie George auf Abstand hält. Erika dagegen reizt die Grenzen von Protest und Provokation aus, beleidigt den Pfarrer in Gegenwart ihrer Mutter, betrinkt sich und tanzt hemmungslos mit Bill in der Hawaii-Bar. Der nutzt ihren Zustand aus – er bringt zwei Freunde mit in das Zimmer, in dem Erika eigentlich nur auf Bill gewartet hat. Am nächsten Morgen erwacht sie völlig verstört und bricht in den Armen ihrer Mutter zusammen, während Siegfried bei den Kastners erneut um Maries Hand anhält. Marie sagt „Ja“ und ignoriert den Appell ihres Bruders, zu ihren Gefühlen für George zu stehen.

Folge 4: „Vergiss die Amis“

George will Marie nicht aufgeben – er weiß, dass sie ihn liebt. Doch Marie bleibt hart und verletzt George in Anwesenheit von Siegfried verbal, um ihre Position klar zu machen. Auch Siegfried bemüht sich und hilft, den Hof der Kastners zu modernisieren. Als der Winter einbricht, taucht Marthamit ein paar ‚Freudenmädchen‘ in Kaltenstein auf. Sie sucht den Kontakt zu Erika, doch diese scheint nun ‚geläutert‘ und weist ihre einstige Weggefährtin aus dem Paulinenstift ab. Im Gegensatz zu Vinzenz, der sich trotz des Altersunterschieds auf Anhieb in die forsche, moderne Frau verliebt. Vinzenz handelt inzwischen nicht mehr nur mit Zigaretten, sondern auch mit allerlei Souvenirs an einem Verkaufsstand vor der Hawaii-Bar, wo sich – in bewusster Nähe zu den Amerikanern – auch Martha und ihr Gefolge herumtreiben. Über den Sittenverfall in ihrer Stadt sind der Pfarrerund Bürgermeister-Gattin Anneliese zunehmend entsetzt und wollen den Amerikanern auf politischem Weg Einhalt gebieten.
Bürgermeister Strumm, dessen Baufirma von dem geplanten Militärkrankenhaus profitieren soll, will davon jedoch nichts wissen. Im Zuge der Hochzeitsvorbereitungen von Marie und Siegfried, stellt Erika fest, dass sie schwanger ist. Sie hofft auf einen Antrag von Bill, doch dieser verkündet, dass er bereits eine Frau in Amerika hat, und zwingt ihr Geld für eine Abtreibung auf. Verzweifelt bittet sie Martha um Hilfe. Marie und Siegfried versuchen miteinander zu schlafen, doch Siegfried wird von seinem Kriegstrauma eingeholt und entlädt – wie im Wahn – seine Aggression an Marie. Als Maries Mentorin Amydies mitbekommt, rät sie Marie, ihren eigenen Weg zu gehen und ihren kreativen Interessen zu folgen. Doch dann kommt alles anders: Bei einem Unfall auf dem Truppenübungsplatz gerät George in Lebensgefahr, und Marie – nach einem Moment in größter Sorge – fällt dem unversehrten George überglücklich in die Arme. Sie weiß nun, was zu tun ist. Sie trifft eine folgenschwer Entscheidung – genauso wie Erika.

Folge 5: „Freunde und Feinde“

Nach der Rückkehr von einer ‚Engelmacherin‘ bricht Erika vor ihrem Elternhaus zusammen und wird vom Notarzt abgeholt, während Marie und George ihre erste Liebesnacht genießen. Zurück auf der Base, muss sich George den rassistischen Schikanen von Sergeant Hoskins aussetzen. Marie wird von ihrer Familie trotz der Entlobung mit offenen Armen empfangen, von Siegfrieds Mutter Anneliese jedoch rausgeschmissen, als sie Erika im Krankenhaus besucht. Erika kann durch die Komplikationen nach der Abtreibung keine Kinder mehr bekommen und sagt ihrer Mutter, dass sie vergewaltigt wurde, als diese sie zurück ins Paulinenstift schicken will. Indes wendet sich Marie nach ihrer Nacht mit George an Amy, die der jungen Frau die Illusionen nimmt: Weder die Army noch die Gesellschaft wird die ‚schwarz-weiße‘ Liebe je akzeptieren. Auch Siegfried wird nicht hinnehmen, dass Marie und George in Kaltenstein glücklich werden. Deshalb vermittelt Amy den Kontakt zu ihrer Cousine nach Ostberlin. Nur in der DDR sieht Amy eine Zukunft für die beiden. Marie ist sofort bereit, alles hinter sich zu lassen, schließlich stimmt auch George zu. Derweil wird in Kaltenstein nach dem Vergewaltiger gesucht, über dessen Identität Erika schweigt. Während sich Bürgermeister Strumm von seiner Frau Anneliese und dem Pfarrer überzeugen lässt, den Sittennotstand auszurufen, plant Barbesitzer Schwiete  der eigentlich Schweriner heißt, seine Rache: In einer nachgestellten Pogrom-Prozession zieht er mit dem Unterhaltungskünstler Ape durch die Straßen. Dabei offenbaren sie die Beteiligung des Bürgermeisters und einstigen SS-Ortsgruppenführers an der Vertreibung von Schwietes jüdischem Onkel Sami – in dessen Haus die Strumms seither wohnen. Die Karriere des Bürgermeisters ist auf einen Schlag ruiniert. Um wenigstens die Geschäfte mit den Amerikanern am Laufen zu halten, fordern die Strumms von Erika, den Namen des Vergewaltigers zu ‚liefern‘. Als sie bei Colonel McCoy aussagt, beschuldigt sie George. Marie wartet am nächsten Morgen am Bahnhof vergebens auf ihn.

Folge 6: „Kein Ort zum Leben“

Von Amy erfährt Marie, dass George sie nicht im Stich gelassen hat, sondern auf dem Weg zum Bahnhof verhaftet wurde. Marie stellt Erika zur Rede, die auf die Bibel schwört, dass George der Vergewaltiger ist. Marie gibt nicht auf und erfährt von seinen Kameraden Moses und Theo, was an dem Abend in der Bar mit Erika und den drei Soldaten passiert ist. Sie überredet Moses dazu, eine Aussage gegen die wahren Täter zu machen, woraufhin er brutal zusammengeschlagen wird. Schwietes Rache-Prozession hat die gewünschte Aufmerksamkeit erzielt – Kaltenstein kann er nun endgültig den Rücken kehren. Seine Hawaii-Bar übernehmen nun Vinzenz und Martha. Die Geschäfte von Familie Strumm führen nun Erika und Siegfried. Vater Friedrich ist nach einem Wutausbruch vor der Bar völlig diskreditiert. Seine letzte Amtshandlung ist die Grundsteinlegung der Militärklinik auf dem ehemaligen Acker der Familie Kastner. Unterdessen begehren die schwarzen Soldaten mit einem friedlichen Protest auf der Base gegen die Inhaftierung Georges auf, woraufhin Colonel McCoy diesen in seiner Zelle anhört. Und er traut seinen Ohren nicht, als er erfährt, dass seine Frau Amy George und Marie zur Flucht nach Ostdeutschland verhelfen wollte. Auch für Marie wendet sich das Blatt, als Erika ihr den Vorfall im Detail schildert – wie George sie zum Weiher gelockt habe, nachdem Marie ihm den Laufpass gegeben hatte. Im Hause McCoy kommt es zum großen Streit, der unausgesprochene Ehe-Konflikte und alte Wunden aufreißt. McCoy befürchtet, dass man sie wegen Hochverrats anklagt. Inzwischen zweifelt Marie an Georges Unschuld – erst als es ihr gelingt, ihn in der Zelle zu besuchen, und in seine Augen schaut, weiß sie: Er hat es nicht getan. Nun ist sie bereit, alles zu tun, um George zu befreien.

 

Deutschland 2021
6 Folgen á 45 Mintuen

Regie: Dror Zahavi
Redaktion: Manfred Hattendorf (SWR), Carolin Haasis (ARD Degeto), Götz Bolten (WDR), Sabine Holtgreve (NDR)
Drehbuch: Johannes Rotter, Jo Baier, Christoph Mathieu, Ben von Rönne
Kamera: Gero Steffen
Musik: Martin Stock
Produktion: FFP NEW MEDIA

Darsteller*in Rolle
Elisa Schlott Marie Kastner
Reomy D. Mpeho George Washington
Franziska Brandmeier Erika Strumm
Jonas Nay Siegfried Strumm
Anna Schudt Anneliese Strumm
Dietmar Bär Friedrich Strumm
Julia Koschitz Amy McCoy
Philippe Brenninkmeyer Captain Jim McCoy
Winnie Böwe Luise Kastner
Aljoscha Stadelmann Heinrich Kastner
Paul Sundheim Vinzenz Kastner
Samuel Finzi Schwiete Wirt
Artjom Gilz GI Bill Meadow Sergeant
Marie Anne Fliegel Wiltrud Strumm
Tim Kalkhof GI Hoskins Sergeant
Piet Fuchs Pfarrer Schäfer
Kelvin Kilonzo GI Theo
Jared Lorenzo GI Moses Shepard
Jeff Burrell MP Military Base
Jörg Westphal Ernst Otto
Jeffrey Lee Hallman MP Military Base
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